Erika Bhanji Soest-Ampen, den 27.11.2011

Liebe Freunde,

als ich 1999 meine Arbeit mit den Menschen am Viktoriasee begann, hatte ich mir Ziele gesetzt.

    1.Versorgung der Kinder in Kindergärten und Schulen mit Hirsebrei

    2.Bau von Spielhütten

    3.Einrichten eines Gartens Eden

    - Anbau von Gemüse

    - Anbau von Heilkräutern

    - Herstellen von Säften

    - Kochen von Marmeladen

     4.Bau  eines Bildungszentrum

     5.Erlernen des Nähen mit Nähmaschinen

     6.Einführen des Haltens von Ziegen

    - Herstellen von Käse

    - Herstellen von Joghurt

     7.Bau von Solaröfen und Schulung im Kochen mit diesen Öfen

     8.Einführung von Solarlampen

     9.Herstellung von Honig

 

Alle diese Ziele sind nun erreicht. Das Wunderbare daran ist, dass sich alle Projekte verselbstständigt haben. Mittlerweile haben sich 150 Frauen zu einer Gruppe zusammengeschlossen, die den Namen „Mwauma“ trägt. Diese 150 Frauen haben alles gelernt. Nun finden sich immer 5 bis 15 Frauen eines Dorfes zu einer Art Arbeitsgemeinschaft zusammen, die jeweils 1 bis 2 Projekte in diesem Dorf selbstständig weiterführen. Sie arbeiten miteinander. Das ist ein entscheidender Fortschritt. Früher arbeitete jede für sich, teilte ihr Wissen nicht mit anderen. Heute hingegen ist „Teamwork“ angesagt. Junge Frauen helfen z.B den Alten beim Pflanzen der Buschbohnen im Bananenhain.


Den großen Durchbruch erfuhr unsere Arbeit jedoch auf der Messe 2011. Hier zeigten die Frauen den Umgang mit den Solaröfen. Sie demonstrierten, wie man kochen, einkochen und dörren kann. So erfuhren die Besucher auch, wie viel Holz durch diese Art zu kochen gespart wird und konnten gleich ausrechnen, wie viel Geld (Holz ist teuer) sie dabei auch noch einsparen. Außerdem zeigte unser Schreiner, wie die Solaröfen gebaut werden.

Dies alles begeisterte den Minister der Kagera- Region derart, dass er sich die Zeit nahm und über eine Stunde mit  den Frauen fachsimpelte. Große Heiterkeit rief sein Ausspruch: „Und wenn es regnet, bleibt die Küche kalt“, hervor.

Während er den Frauen bei ihren Tätigkeiten am Solarofen zusah, sagte er immer wieder: „Siku amini!“ „Ich glaub’s ja nicht!“

„Sina mashaka kwa Elimu ya wanawake kutoka kijijini“, meinte er dann mehrfach:„Ich habe keine Sorge mehr um die Bildung der Frauen des Dorfes!“

Dann fragte er: „Habt Ihr Euch schon registrieren lassen?“ Als die Frauen dies verneinten und ihre Angst davor, dass Kirche und/oder Staat irgendwann einmal das Zentrum übernehmen würden (und ich weiß, dass sie das wollen), antwortete er: „Gründet einen Verein! Stellt eine Satzung auf, bringt sie mir und ich helfe euch, den Verein zu registrieren!“

 

 

Im Gespräch mit Joas äußerte er den Willen, die Frauen zu unterstützen. Der Verein solle auf keinen Fall unter die Leitung der Männer geraten.

Zugleich lud er die Frauen zur Messe 2012 ein und bat sie, in Seminaren ihr Wissen an die Frauen weiterzugeben, die einen Solarofen erwerben wollen. Ausdrücklich unterstützte er unser Prinzip: Keiner kann einen Solarofen erwerben, ohne an einem Kochkurs teilgenommen, also einen Solarofen-  Führerschein gemacht zu haben.

Der Minister möchte, dass -auf lange Sicht gesehen- das Kochen mit Solaröfen in der Kagera- Region die Regel wird.

Gerne erzähle ich auch noch folgende Begebenheit: Während des Gespräches mit Joas fragte der Minister: „Woher habt Ihr das Material für die Öfen?“ Joas berichtete: „Wir kaufen Holz, Baumwolle, Glas, Schrauben und Scharniere hier bei uns. Nur die Aluminiumplatten kommen aus Soest. es sind Offsetplatten aus dem „Soester Anzeiger“. Das ist eine Zeitung. Man hat uns diese Platten geschenkt. In Deutschland wären sie entsorgt worden.“ Natürlich war der Minister begeistert.

 

Mein Hauptziel war es, als ich begann, die Frauen der Dörfer zu bilden. Im Laufe der Jahre ist daraus quasi eine Frauenbewegung geworden, die sich nicht mehr aufhalten lässt. Es macht mich glücklich, zu wissen, dass das Zentrum in der Hand der Frauen bleiben wird, auch wenn es

Unken in Deutschland gibt, die genau das entgegengesetzte Ziel verfolgen und

Unken in Afrika, die das Ganze gern dem männlichen Herrschaftsbereich unterordnen   möchten.

 

 Vor ein paar Tagen erzählte mir eine Dame, die in ihrem Bekanntenkreis über meine Arbeit berichtet hatte, dass die spontane Reaktion gewesen sei:“Die Frau muss verrückt sein!“

Den kann ich zustimmen: Man muss „verrückt“ sein. Man muss „Ich bin ich“ sein, um das alles auszuhalten.

 

Nun kann ich mit 75 Jahren in den Ruhestand gehen. Ich werde aber- so Gott will- weiterhin nach Hause, zu den Menschen in Bukoba, reisen.

 

Ich danke Ihnen allen für Ihr Vertrauen und Ihre Unterstützung!

 

Herzliche Grüße

Ihre Erika Bhanji

 

17.02.2011 - Verleihung des Bundesverdienstkreuz

Ausschnitt aus dem Soester Anzeiger v. 18.02.11

Ausschnitt aus dem Soester Anzeiger v. 18.02.11

     

12.02.2011 - Bericht einer Freundin

Tief beeindruckt hat mich der Bericht einer Freundin;

"Gemeindeschwester wollte ich werden, als ich nach Bethel zur Ausbildung ging. Von unserem Gemeindepfarrer erhielt ich eines Tages den Auftrag, einen Briefumschlag mit gesammelten Geld aus der Gemeinde in Wuppertal bei einer Missionsfeier zu übergeben Mit vielen Missionsfreunden saß ich in der großen Halle und hörte Berichte aus der Mission. Der Satz einer Schwester drang tief in mich ein: "Sollte hier im Raum nicht eine Schwester sitzen, die den Ruf nach Afrika hört? Wir brauchen dringend eine Schwester für die Arbeit dort!" Ich hatte das Gefühl, ich säße alleine im Saal, denn ich war angesprochen. "Ja, ich will gehen", sagte es in mir. Aber mein Verstand wehrte sich. Nachts war mir klar, dass ich gehen sollte, aber tagsüber kamen wieder Zweifel. Nach einem halben Jahr des Zwiespaltes erzählte ich im Mutterhaus von meinem Erlebnis. Am selben Tag saß ich schon dem Missionsdirektor der Bethel- Mission gegenüber. Mein Weg nach Afrika begann.

Um den Führerschein machen zu können hatte ich ganze 14 Tage Zeit, am 15. reiste ich schon nach England, um die Sprache zu erlernen und mein internationales Krankenpflege- und Hebammenexamen zu machen. Dann konnte ich ausreisen."

Während ihrer 11-jährigen Tätigkeit in Afrika musste meine Freundin oft viel Mut aufbringen und hatte viel Gelegenheit, Gutes zu tun.

Nach der Pensionierung begann ihr ehrenamtliches Engagement. Viel Mut gehörte dazu, eigene Projekte aufzubauen, da sie auf Spenden von Privatpersonen angewiesen war. Oft hörte ich sie sagen, wenn Probleme unlösbar erschienen: "Der liebe Gott ist auch noch da." Inzwischen sind viele Spender und Spenderinnen mit ihr freundschaftlich verbunden. Sie kann sich darauf verlassen, dass ihre Projekte ideell und finanziell getragen werden. In den dankbaren Herzen der Afrikaner lebt sie wie eine Königin.

Ingrid Bangert, Wolbeck